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Fußball-WM 2022: FIFA muss Druck auf Katar erhöhen

Am Wochenende besuchte die Europaabgeordnete und Vorsitzende des Menschenrechtsauschusses Barbara Lochbihler den Golfstaat Katar. Sie beschäftigte sich dort mit den Arbeitsbedingungen für Migrantinnen und Migranten, u.a. auch mit den Verhältnissen auf den Baustellen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Die Grünenpolitikerin traf Vertreter der Regierung und von NGOs sowie Arbeitsmigranten. Nach ihrer Reise erklärt sie:

"Auch wenn es mittlerweile einige Maßnahmen gibt, um die Arbeitsbedingungen in Katar zu verbessern, bleibt die Lage für Migrantinnen und Migranten katastrophal. Gesetze werden entweder nicht umgesetzt oder die Entwürfe liegen bis zum Sankt Nimmerleinstag in den Schubladen der Bürokraten. So stehen beispielsweise Hausangestellte, die sexualisierte Angriffe erleiden, weiter unter besonderem Druck: Wenn sie vor ihren Arbeitgebern flüchten, machen sie sich damit strafbar. Das Thema wird weiterhin tabuisiert, mit Hilfe können die Opfer nicht rechnen.

Das zentrale Problem in Katar bleibt das Kafala-System. Noch immer müssen Migranten ihren Pass beim Arbeitgeber abgeben. Werden sie gekündigt, verlieren sie sofort ihre Aufenthaltshalterlaubnis und landen in Abschiebehaft. Zwar spricht die Regierung von grundlegenden Reformen, doch auch hier ist bisher zu wenig geschehen. Meine Gespräche in einem Abschiebezentrum haben bestätigt: Die Migrantinnen und Migranten sind der Willkür ihrer Arbeitgeber vollkommen ausgesetzt. Geradezu lächerlich erscheint der Verweis, es gebe in Katar das Recht auf freie Gewerkschaften. Denn nur Katarer dürfen sich organisieren, 80 Prozent der Arbeiter in dem Golfstaat sind jedoch Migranten.

Ich begrüße die Ankündigung von Herrn Zwanziger, in den nächsten Wochen weitere Inspektionsbesuche in dem Golfstaat durchzuführen. Allerdings muss die FIFA dann auch mit den Opfern der ausbeuterischen Arbeitsverhältnisse sprechen. Allein Konsultationen mit den Repräsentanten der Regierung werden nicht weit führen. Vor allem muss die FIFA den Druck gegen Katar erhöhen, damit es nicht bei Versprechungen bleibt und die angekündigten Maßnahmen tatsächlich umgesetzt werden. Die internationale Gemeinschaft darf nicht hinnehmen, dass Menschen unter diesen menschenrechtswidrigen Bedingungen arbeiten müssen."

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