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Ausstellung Menschenhandel

Gemeinsam mit dem Koordinierungskreis gegen Menschenhandel e.V. (KOK) eröffnete ich in München die Ausstellung "Menschenhandel. Situation, Rechte und Unterstützung in Deutschland". Eleonore Broitzmann vom KOK berichtete über den "Mädchenhandel" im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Viele junge Frauen aus Europa wurden damals mit dem Versprechen einer Arbeitsstelle nach Südamerika gelockt und zur Zwangsprostitution gezwungen. In den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Deutschland zu einem der Hauptzielländer des Frauenhandels. Seitdem haben sich die Herkunft der Opfer und die Formen des Menschenhandels schrittweise gewandelt. In der EU sind die meisten Opfer zwar immer noch Frauen, die sexuelle Ausbeutung erleiden, allerdings nimmt die nicht-sexuelle Arbeitsausbeutung, vor allem von Männern, immer weiter zu.

Die 2011 in der EU verabschiedete "Richtlinie zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer" ist ein wichtiger und begrüßungswerter Schritt. Sie konzentriert sich nicht nur auf die Strafverfolgung der Täter, sondern legt ihren Schwerpunkt auf den Opferschutz. Leider ließ Deutschland die Frist zur Umsetzung der Richtlinie im April 2013 verstreichen. Es wurden zwar vereinzelt positive Maßnahmen unternommen, allerdings mangelt es an einem echten Opferschutz und einer bundesweiten, einheitlichen Strategie im Kampf gegen den Menschenhandel.

Ich berichtete im Gasteig von Prum Vannak, einem Kambodschaner, den ich im Februar in Phnom Penh kennen gelernt hatte. Er wurde Opfer des regionalen Menschenhandels in Südostasien, als er versuchte, im benachbarten Thailand eine Arbeit zu finden. Er verabschiedete sich von seiner schwangeren Frau in dem Glauben auf ein baldiges Wiedersehen, doch es brauchte vier Jahre und die Hilfe einer NGO, bis er nach Hause zurück kehren konnte. Auf einem thailändischen Fischkutter und einer malaysischen Plantage wurde er zur Zwangsarbeit gezwungen. Als er aufgrund einer Verletzung arbeitsunfähig wurde, brachte man ihn zur Polizei, die versuchte, von seiner Familie Geld für seine Freilassung zu erzwingen.

Unabdingbar im Kampf gegen den Menschenhandel ist ein regionales Bewusstsein über das Ausmaß des Problems und darauf aufbauende strukturelle Maßnahmen. Dies betrifft Europa ebenso wie Südostasien. Ein solches Bewusstsein möchte die Ausstellung des KOK speziell für Deutschland schärfen und ich empfehle sehr, sie zu besuchen! Wer es bis zum 20. Juni nicht mehr schaffen sollte,  kann die Ausstellung vom 4. bis 8. August im Flez des Augsburger Rathauses sehen. Leonora Spangenberger begleitete die Vernissage mit Gitarrenstücken von J. S. Bach, Hans Werner Henze und Sofia Gubaidulina.

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