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Folteropfer brauchen Unterstützung

Heute ist der Internationale Tag zur Unterstützung von Folteropfern. Im Jahr 1997 wurde er durch die Hauptversammlung der Vereinten Nationen beschlossen und erinnert an die UN-Antifolterkonvention, die am 26. Juni 1987 in Kraft trat.

Im letzten November besuchte ich den Irak. Die psychischen Folgen von Gewaltherrschaft, Terror und Krieg waren immer wieder Thema in meinen Gesprächen. Mehrere Generationen sind inzwischen betroffen. Die Folterfälle in Abu Ghraib machten zudem deutlich, dass die Einhaltung der Menschenrechte auch bei Armeen demokratischer Staaten nicht garantiert ist. Aktuell stehen die psychischen Verheerungen, die der Terror des IS hinterlässt, im Vordergrund. Nachdem die Verbrechen an jesidischen Frauen bekannt wurden, die IS-Milizen nach deren Verschleppung verübt hatten, begannen Frauen im Irak auch über sexuelle Folter und systematische Vergewaltigungen zu sprechen.

Die Unterstützung von Folteropfern ist eine internationale Aufgabe. Im Jahr 2005 gründete das Berliner Behandlungszentrum für Folteropfer eine Organisation zur Unterstützung von Folteropfern im Nordirak. Unter der Leitung des Psychotherapeuten Salah Ahmad ist inzwischen ein Netz von sechs Behandlungseinrichtungen mit 120 Mitarbeiter*innen entstanden, darunter in Kirkuk die erste Trauma-Ambulanz für jesidische Frauen. Auch traumatisierte Kinder werden hier behandelt. Finanziert wird die Arbeit der Jiyan Foundation for Human Rights unter anderem vom Auswärtigen Amt und der Europäischen Union.

Dass es diese Zentren gibt, ist großartig, angesichts der Katastrophe, die sich im Irak ereignet, aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die EU sollte über ihr bisheriges Engagement hinaus die Ausbildung von Therapeut*innen sicherstellen, um den großen Behandlungsbedarf decken zu können, denn die Behandlung von schwer Traumatisierten ist notwendiger Teil der Konfliktprävention in der aktuellen Situation und des zukünftigen gesellschaftlichen Wiederaufbaus.

Die Behandlung von Folteropfern muss auch in den Zufluchtsländern gewährleistet werden. In Deutschland gibt es derzeit 37 Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (PSZ). Das hört sich nach viel an. In der Regel arbeiten in diesen Zentren aber nur vier Fachkräfte, die im Schnitt 360 KlientInnen versorgen. Die Wartelisten sind lang, die Zentren für viele Flüchtlinge kaum erreichbar. Die EU-Aufnahmerichtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten, traumatisierte Flüchtlinge fachgerecht zu versorgen. Das Gesundheitssystem kommt dem in Deutschland aber nur sehr zögerlich nach. Flüchtlinge finden selten einen Therapieplatz in einer normalen Praxis. Die Versorgung leisten fast ausschließlich die PSZ. Sie finanzieren ihre Arbeit zu einem großen Teil aus Spenden und Projektmitteln ohne Planungssicherheit für einen längeren Zeitraum. Bündnis90/Die Grünen fordern, die Finanzierung sicherzustellen und den Ausbau der PSZ zu fördern. Zur Umsetzung der EU-Aufnahmerichtlinie muss außerdem bundesweit eine fachlich qualifiziertes Screening durchgeführt werden, um frühzeitig zu erkennen, ob und welche Hilfen Flüchtlinge brauchen. In diesem Sinne unterstütze ich die Empfehlungen der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychoszialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer BafF.

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